Randbedingungen

Externe Faktoren

Das Aufwärmen des Sportlers ist u.a. auch von der Gewöhnung an äußere Faktoren wie dem Zustand der Sportanlage, Orts- und Platzverhältnisse abhängig. Eine ebensowenig zu unterschätzende Rolle spielen die Zuschauer. Ist es eine Veranstaltung vor heimischem Publikum oder eine auswärtige Veranstaltung? Vom Zuschauerverhalten werden psychische Reaktionen stimuliert, die über die Ausscheidung verschiedener leistungsbeeinflussender Hormone (u.a. Adrenaline, Noradrenaline) das Aufwärmen in seiner Qualität mitbestimmen. Um sich ausreichend an die äußeren Gegebenheiten gewöhnen zu können, ist es ratsam, immer etwas früher als unbedingt notwendig zum Trainings- und Wettkampfort zu kommen.

 

  • Trainingszustand

Je besser der Zustand des Sportlers, desto mehr Zeit wird die Aufwärmphase in Anspruch nehmen, um alle physiologischen Parameter auf die kommenden Leistungsanforderungen einzustellen. Leistungs- und Hochleistungssportler benötigen bis zu einer Stunde reine Vorbereitungs- und Aufwärmzeit, in einigen Disziplinen sogar länger. Weniger trainierte Athleten benötigen eine kürzere Aufwärmzeit; sie sollte jedoch zwanzig Minuten grundsätzlich nicht unterschreiten.

 

  • Alter

Je älter ein Sportler ist, desto langsamer und behutsamer hat das Aufwärmen zu erfolgen. Die Schnelligkeit der Regulation (Einpendeln der Leistung) ist bei älteren Sportlern eingeschränkt, die Erhöhung der Stoffwechselgeschwindigkeit als Voraussetzung zur Leistung erfolgt langsamer. Gerade beim älteren Sportler nimmt das Maß an individueller Aufwärmarbeit zu. Der ältere Sportler muß dabei seine allgemeine körperliche Verfassung berücksichtigen sowie auch eventuelle Vorschädigungen und sonstige Leistungseinschränkungen.

 

  • Tageszeit

Am frühen Morgen ist gegenüber der Mittagszeit eine verlängerte Aufwärmzeit vonnöten. Ein Optimum der Körpertemperatur ist gegen 15.00 Uhr erreicht, sie folgt einem 24-Stunden-Rhythmus. Aus eigenen Erfahrungen weiß jeder Sportler, daß das Aufwärmen am frühen Morgen länger dauert als gegen Abend, wo die Körpertemperatur durch die über den gesamten Tag hinweg geleisteten Aktivitäten schon erhöht ist. Schwankungen der physiologischen Leistungsbereitschaft im Verlauf des Tages besitzen ebenso eine Bedeutung. Jeder Sportler kennt aus eigener Erfahrung das "Leistungsloch" am frühen Nachmittag. Da die Erhöhung der Körpertemperatur zu den Zielen des Aufwärmens gehört, trägt eine hohe Außentemperatur dazu bei, die Aufwärmzeit zu verkürzen.

 

  • Einstellung und Vorstartzustand

Das Aufwärmen hat sich den psychologischen Bedingungen des Sportlers anzupassen. Die Einstellung des Sportlers beeinflußt wesentlich die Dauer und den Effekt des Aufwärmens. Der Vorstartzustand stellt im Leistungssport eine positive und gewollte Streßsituation dar und ist stark abhängig von der Motivation des Sportlers. Er kann vom Trainer verstärkt oder abgeschwächt werden.

 

Wenn der folgende Wettkampf vom Sportler als besonders wichtig eingestuft wird, dann verändert sich der Vorstartzustand. Es finden zeitlich begrenzte Veränderungen in der Hormonsekretion statt. Die Ausschüttung solcher Hormone (Noradrenaline, Adrenalin, Glukagon u.a.) fördert die Umstellung vom Ruhe- auf den Arbeitsstoffwechsel; der Vorstartzustand - und die damit verbundene Erregung des Sportlers - haben Einfluß auf den muskulären Tonus (Spannungszustand der Muskulatur) und die Eng- bzw. Weitstellung der Blutgefäße.

 

Ob ein Sportler grundsätzlich zu einer aktiveren oder gedämpfteren Erregungslage tendiert, ist auch vom "Typ" des Sportlers, seiner Anlage (Vererbung), abhängig.

 

  • Typbedingtheit

Es gibt sogenannte Langsamstarter, Sportler, die nur sehr langsam in Schwung kommen. Das Aufwärmen muß bei diesen Sportlern mehr anregend und motivierend gestaltet werden. Es dauert länger, und es kommen intensivere Beanspruchungen zum Einsatz als bei den Schnellstartern. Der Schnellstarter ist vor dem Training und Wettkampf übererregt und neigt zur Nervosität (Startfieber). Er benötigt ein kürzeres Aufwärmen mit geringeren Intensitäten und eine eher beruhigende Einflußnahme beispielsweise durch den Trainer; als zusätzliche Maßnahmen können beruhigende Dehnungsformen oder entsprechend geplante mentale meditative Techniken eingesetzt werden.

 

  • Hormonelle Einflußfaktoren (Vorstartzustand)

Der das Aufwärmen begleitende vermehrte Ausstoß von Hormonen, die die Leistungsbereitschaft positiv stimulieren, führt zur Intensivierung der Durchblutung der Muskulatur, zur Erhöhung der Atemtätigkeit und zur Steigerung des gesamten Leistungsstoffwechsel. Die geistige Vorwegnahme des Wettkampfstarts wird auch als Vorstartzustand bezeichnet und löst neben anderen Aspekten die hormonellen Belastungsreaktionen aus.

 

Das Blutdruckverhalten ist ebenfalls von hormonellen Faktoren mitbeeinflußt. Mit Beginn der Belastung/des Wettkampfs fällt der Blutdruck zunächst für einige Sekunden ab und steigt dann wieder. Bei allen dynamischen Beanspruchungen steigt im allgemeinen nur der systolische (niedrige) Blutdruck an. Bei hohen Krafteinsätzen - gekoppelt mit Preßatmung - steigt auch der diastolische (hohe) Blutdruck stark an. Während körperlicher Ruhe scheint der Blutdruck großen Einflüssen seitens der psychischen Verfassung ausgesetzt zu sein. Unter Belastung nimmt der Einfluß der psychischen Verfassung jedoch deutlich ab.

 

  • Differenziertes Aufwärmen

Während im Leistungs- und Hochleistungssport das Auf- und Abwärmen schon traditionell dazugehört, wird im Breiten- und Freizeitsport dem Aufwärmen beobachtbar zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt; abwärmende Maßnahmen kommen meist gar nicht zum Tragen. Der Tennis- oder Squashspieler geht auf den Platz und "schlägt sich etwas ein"; anschließend wird mit vollem Einsatz gespielt. Wenn die angemietete Zeit vorüber ist, wird abrupt mit der sportlichen Tätigkeit aufgehört. Logische Folge sind die typischen Beschwerdeangaben der Freizeitsportler, ob schmerzhafte Tennisellbogen oder Kniebeschwerden. Ein gleiches Vorgehen ist im Pétanque-Sport zu beobachten. Es werden sofort zwei Mannschaften gebildet, und "los geht`s".

 

Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit um die Notwendigkeit des Aufwärmens zu leisten. Primäre Zielsetzung des Aufwärmens ist die positive Tolerierung der zukünftigen sportlichen Belastung. Aufwärmen ist bei dieser Zielgruppe geprägt von der präventiven Funktion, der Verletzungsvorsorge. Erst an zweiter Stelle der Zielsetzungen steht die möglichst optimale Adaption an die Trainingsreize der Hauptinhalte des Trainings in Form eines Leistungsanstiegs.

 

Das Aufwärmen des Breiten- und Freizeitsportlers erfolgt unter Beachtung des Alters, des Trainings- und Gesundheitszustands, der äußeren Bedingungen und der speziellen Erwartungen des Sportlers an seine Sportart. Das Abwärmen berücksichtigt die vorhergegangene Belastung und schafft durch die gezielte Einleitung der körperlichen und geistigen Erholprozesse eine günstige Ausgangssituation für die verbesserte Bewältigung des außersportlichen Alltags sowie von künftigen sportlichen Belastungen.

 

Das Aufwärmen des Leistungs- und Hochleistungssportlers orientiert sich in erster Linie an der Optimierung der folgenden Trainings- und Wettkampfleistung, das Abwärmen an der möglichst optimalen Belastungsvorbereitung und der Schaffung günstiger Voraussetzungen für künftige Anpassungen im Sinne einer Leistungssteigerung.