Leistungsfaktoren

Jeder Akteur - egal ob Schießer oder Leger - hat unmittelbar vor seinem nächsten Auftritt folgende Vorbereitungen zu treffen:

Visualisieren - Zielen - Atmen

Das Visualisieren des Ziels

Wenn man in Gedanken nachvollzieht, wie man z.B. eine wichtige Kugel – an fremden und eigenen Kugeln vorbei – sicher an die Sau gelegt hat oder eine gegnerische Kugel mit einem Carreau getauscht hat, dann denkt und fühlt man in Bildern statt in Worten.

 

Alle Menschen können problemlos in Bildern denken, ob bewußt oder unbewußt steht dahin. Dieses natürliche, angeborene Denken in Bildern – das Visualisieren – ist vergleichbar mit dem natürlichen, sportlichen Talent eines Akteurs und dem technisch und taktisch trainierten Akteur.

 

Jede körperliche Bewegung muß erlernt werden. Ebenso muß der Mensch auch lernen, sich klare Bilder vor Augen zu rufen, die das eigene Verhalten und die eigene Leistung beeinflussen. Diese Fähigkeit der Visualisierung muß regelmäßig trainiert werden, wenn man seine Leistung verbessern möchte.

 

Die Visualisierung kann dadurch erlernt werden, indem man sich Bilder, Situationen und Ereignisse mental verdeutlicht, sie sich ins Gedächtnis ruft. Wie in einem Traum sieht man sich selbst, kann jedoch - im Gegensatz dazu - die eigene Person lenken, um bestimmte Ziele zu erreichen. Wie bei verschiedenen Meditationsübungen schließt man beim Visualisieren meistens die Augen, um nicht von anderen Einflußgrößen abgelenkt zu werden.

 

Das mentale Training der Visualisierung beruht nicht nur auf der Vorstellung von Bildern, wie der Begriff es vielleicht nahelegt, sondern schließt auch die Wahrnehmung anderer Sinne mit ein. Mit anderen Worten: "Wenn man eine bestimmte Bewegungsabfolge visualisiert, dann sieht man sich nicht nur im Geiste, sondern man hört und fühlt auch, wie man sich bewegt. Die Fähigkeit, sich vorzustellen, wie sich eine bestimmte Bewegung anfühlt, ist bei den meisten Visualisierungen besonders wichtig".

(John Syer und Christopher Connolly; Psychotraining für Sportler; Rowohlt-Taschenbuch-Verlag 1987, Seite 62, ISBN 3499186144)

Das Zielen an sich

Das Boule-Spiel gehört zu den Zielspielen. Wie im Schießsport, beim Dart, Billard oder Murmelspiel ist das Erreichen eines bestimmten Ziels die Aufgabe für jede einzelne Aktion eines Akteurs. Hierbei kann sich dieser nur selbst behindern, weil ein direktes Eingreifen von Gegnern nicht gestattet ist.

Gelingt eine Handlung nicht, so ist hierfür niemals die Gegenseite verantwortlich zu machen, sondern der Mißerfolg ist immer von der handelnden Person selbst verursacht worden.

 

Hierdurch ergibt sich die Notwendigkeit, alle Energien auf die Realisation dieses Ziels zu konzentrieren. Im Moment eines Wurfes darf ein Pétanqueur nichts als das Ziel seines Wurfes wahrnehmen – Geräusche, Wind, Licht, Gerüche, Bewegungen usw. existieren nicht mehr.

 

Wie in einem langen, dunklen Tunnel das helle Licht des Ausgangs das Ziel bestimmt, so bestimmt beim Pointieren der geplante Aufschlagpunkt der Kugel die Richtung aller Bewegungen und Gedanken. Beim Tirieren sind alle physischen und psychischen Teilhandlungen darauf zu konzentrieren, die fremde Kugel an einer bestimmten Stelle zu treffen. Voraussetzung für einen zielgerichteten Wurf ist die Beherrschung einer geeigneten Technik, doch gelenkt wird jede menschliche Handlung durch seine Sinne.

Die richtige Atemtechnik vor und während der Aktion

Psychische Unruhe ist für uns leicht an unregelmäßigem, meist heftigem Atmen zu erkennen. Glücklicherweise können wir alles - was wir an uns selbst bemerken – verändern.

 

Unruhe gestalten wir in Entspannung um, indem wir uns schöne Dinge vorstellen: z.B. das Carreau im letzten Spiel, durch das die Partie entschieden wurde. Jetzt muß nur noch der Körper in einen aktiven Ruhezustand versetzt werden, was wir sehr gut durch Hyperventilation erreichen. Unter Hyperventilation ist ein- oder mehrmaliges tiefes Ein- und Ausatmen zu verstehen, das eine besonders gute Durchblutung unseres Körpers bewirkt.

 

Kurz vor jedem Wurf sollten die Akteure von dieser Hilfe Gebrauch machen und während der eigentlichen Wurfaktion nur langsam ausatmen. Dadurch wird eine körperliche Unruhe - bedingt durch zu heftiges Atmen – vermieden, was eine größere Präzision der Bewegung zur Folge hat. Preßatmung, bei der die Luft angehalten und eine größere Körperspannung erzeugt wird, ist nicht nur ungesund, sondern sie führt möglicherweise zu Verkrampfungen, die die Gesamtbewegung stören.

Zusammenfassung

Visualisierung, Zielen und Atmen sind drei Leistungsfaktoren, die sehr eng miteinander verbunden sind. Je höher das Leistungsniveau von Akteuren ist, desto wichtiger ist die Arbeit an diesen Fähigkeiten. Im Spitzensport werden viele Wettkämpfe gewonnen bzw. verloren durch die bessere oder schlechtere Beherrschung dieser Elemente der sportlichen Leistung.