Taktiken

Taktiken - an Beispielen veranschaulicht:

Alle Lösungen haben zur Voraussetzung, daß der Milieu diese Variationen erkennt, sie spielen, d.h. tech-nisch umsetzen kann, und daß er auch mental dazu in der Lage ist, dies durchzuführen. Der Milieu sollte seine Lösungen mit seinen Mitspielern absprechen, diese aber von dem von ihm bevorzugten Spielzug zu überzeugen versuchen.

Beispiel 1

Spielstand 11 : 10

 

Die Sau liegt auf 8 m. Für den Gegner liegen 3 Punkte (also 11:13). Der Gegner hat noch eine Kugel, unser Milieu hat noch zwei Kugeln. Legt er eine Kugel z.B. an Position A, schießt der Gegner für 3 Punkte, mit Risiko für 2 Punkte, wenn Z kontern sollte. Unser Milieu muß dann seine letzte Kugel B wiederum etwa an Position A legen, um das 12:10 zu machen oder um zumindest ein 11:13 zu verhindern. Der Gegner wird aber mit Sicherheit schießen, damit unser Team dieses Spiel nicht siegreich beenden kann. Diese erste Möglichkeit liegt nahe. Was aber würde passieren, wenn unser Milieu seine erste Kugel auf X schießt? Ist es doch schwierig, auf dem mittelschweren Terrain gut zu legen!

Folgende Möglichkeiten muß der Milieu einkalkulieren:

  • Trifft er X, dann ist alles offen: die letzte Kugel könnte so gelegt werden, daß der Gegner einen Risiko-schuß (Kontergefahr für Z, Y oder Sau) machen muß.
  • Trifft er X, dann kann es sein, daß er ein Carreau schießt und dadurch vielleicht sogar punktet.
  • Trifft er X, dann kann es sein, daß er Z, Y oder Sau mit herausschießt (Doppeltreffer).
  • Bei einem Fehlschuß kann er mit höherer Trefferwahrscheinlichkeit nochmals schießen. Der Gegner hätte dann den Druck, auf diesem mittelschweren Terrain den 13. Punkt legen zu müssen.
  • Mit einem „tir abusif“ (mißbräuchlicher, aber mit positivem Ausgang gespielter Zufallstreffer) kann unser Milieu das gesamte Bild verändert haben und er hat immer noch eine Kugel, um am Schluß entscheidend zu spielen.

Was also ist zu tun?

Beispiel 2

Spielstand: 12 : 10

 

Die Sau liegt auf 8 m. Für den Gegner liegen 3 Punkte (also 12:13). Der Gegner hat noch zwei Kugeln, unser Milieu ebenfalls.

Folgende Möglichkeiten tun sich auf:

 

  • Unser Milieu schießt auf die Kugel X. Vielleicht schafft er bei diesen eng nebeneinander liegenden Ku-geln einen Doppeltreffer.
  • Er schießt die Sau heraus. Da er noch eine Kugel auf der Hand hat, muß eine neue Aufnahme gespielt werden.
  • Unser Milieu legt an Position B. Der Gegner muß mit hohem Risiko (Kontergefahr für Sau, Y und Z) schießen.
  • Er spielt A vor und macht eventuell zwei Punkte mit einer Kugel. Dies wäre die zwar schwierigste, aber sinnvollste Lösungsmöglichkeit.

Was also ist zu tun?


Beispiel 3

Spielstand 9 : 12

 

Die Sau liegt auf 8 m. Unser Milieu hat noch zwei Kugeln. Der Gegner ist leer (hat keine Kugeln mehr), hat aber den Punkt (A). Zudem liegt er auch noch an dritter Position (B). unsere beste Kugel (X) liegt genau hinter A.

Lösungsmöglichkeit:

 

Wenn A und B weggeschossen werden und vielleicht ein Carreau dabei ist, könnten vier Punkte erzielt werden, 13 also. Der Milieu muß hierfür zuerst die Kugel A schießen (die schwieriger zu schießende Kugel), weil ein Konter mit X einkalkuliert werden muß. Wäre Die Kugel X nicht an dieser Position, müßte zuerst B ge-schossen werden. Trifft unser Milieu mit seiner ersten Kugel die Kugel A ohne Konter, kann er ohne Carreau für den 13. Punkt schießen; kontert A mit X, muß die Kugel B für den Siegpunkt mit Carreau weggeschossen werden.

Beispiel 4

Spielstand 12 : 12

 

Die Entfernung beträgt ca. 7 m. Unser Milieu hat noch eine Kugel; die „13“ liegt für den Gegner (A), mit B sogar „14“, und er hat noch eine Kugel zur Verfügung. Ein Schuß kann (außer Carreau sur place auf Kugel A) nichts an dieser fatalen Situation ändern.

Lösungsmöglichkeit:

 

Unser Milieu muß also Legen (M1 = Möglichkeit 1), und zwar genau devant (vor) die Gegnerkugel A. Der Gegner muß dann schon einen Schuß versuchen, der kaum glücken wird, um mit B den 13. Punkt machen zu können. Eine andere Möglichkeit für unseren Milieu wäre es gewesen, seine letzte Kugel (M2) vor die Sau zu legen. Der Gegner hätte dann bei einem Schuß bzw. Treffer die Sau mit herausgeschossen, was eine Neuaufnahme zur Folge hätte.

Zur Wiederholung und Vertiefung, was an anderer Stelle schon ausgeführt wurde:

 

Der Milieu muß entscheiden, was zu tun ist; er sollte seine Entscheidung davon abhängig machen, wie er sich fühlt, welche Distanz vorgegeben ist, welcher Weg einfacher zu sein scheint und wie das Terrain beschaffen ist.

 

Aber er sollte nie falsche Kompromisse eingehen und sich nicht auf Halbherzigkeiten einlassen. Er muß sich entscheiden, muß sich sicher sein und diese Entscheidung dann voll konzentriert umsetzen.