Haute-Portée - Hoher Bogenwurf

  • Definition:

Pointieren mit einem Hoch-Portée bedeutet, eine Kugel mit einem sehr hohen Abwurfbogen aus der Hocke oder aus dem Stand so weit zu tragen, daß sie erst kurz vor dem Cochonnet (1,5 m bis 0,5 m) aufschlägt. Die Flugbahn der Kugel ist mit einer steil ansteigenden Parabel ver-gleichbar, was gewährleistet, daß sie fast senkrecht zu Boden fällt.

  • Technik:

Es ist die selbe wie beim Halb-Portée, allerdings wird die Kugel noch höher geworfen, um mehr Hindernisse zu überwinden und damit sie noch weniger weit nach dem Aufprall ausrollt.

  • Anwendung:

Auf schwierigem Gelände, wie beispielsweise stark ansteigendem Terrain, feuchten oder mit Splitt bedeckten Böden.

  • Zusammenfassung:

Bei den Portée-Würfen wird die Dreidimensionalität des Pétanque am sinnfälligsten: das Aus-nutzen des „Raumes“ wird gefordert. Die schwierige Technik des Hoch-Portées ist fast nur aus dem Stand möglich. Ein gelungener Portée sieht elegant aus, ist aber ein Wurf von höchstem Schwierigkeitsgrad. Aus Armbewegung und Körperstreckung gleichzeitig kommt der Impuls dieser Wurftechnik, die eingesetzt wird, wenn Gegnerkugeln den Weg versperren und andere Würfe deshalb nicht sinnvoll sind (z.B. wenn natürliche Hindernisse vorhanden sind), und der Boden zudem geeignet für Portées erscheint (je weicher der Boden, desto erfolgversprechen-der der Einsatz eines Hoch-Portées).

 

Nach einer parabelähnlichen Flugbahn stürzt die Kugel wie ein Meteorit vom Himmel direkt auf den gesuchten Donnée zu. Deshalb wird diese Wurftechnik in der Fachliteratur auch oft als Plombée (Senkblei) bezeichnet. Im Idealfall bleibt die Kugel nach der Bodenberührung auf der Stelle liegen. Um diesen Bogen herauszufinden („Der hat den Bogen raus!“ trifft hier wörtlich zu), benötigt man extremes (indirektes) Distanzgefühl, vorzügliche technische Fertigkeit und ausgereiftes Bewegungsgefühl des gesamten Körpers. Daß die Spieler der Elfenbeinküste bei der WM ‚89 in Pineda zu Publikumslieblingen avancierten, ist daher nicht zufällig: ihre Portées erreichten fast die Hallendecke (ca. 8 m). Gute Hoch-Portées haben eine Höhe von 4 bis 7 Me-tern, was reicht, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Frontal zur Wurfrichtung stehend, geht der gestreckte Arm nach der Schwungbewegung in der Endstufe in eine Gesamtkörperstre-ckung über. Die Kugel verläßt die Hand fast am Ende der ausholenden Pendelbewegung. Ein finaler Rückdrall-Impuls, ausgelöst durch das Handgelenk, dann durch die Fingerkuppen, be-wirkt eine kontrollierte Flugbahn und vergrößert die Chance, daß die Kugel nach der Bodenbe-rührung auf dem Zielpunkt liegenbleibt.

 

Portées erfordern intensives Training, um weitgehend kontrolliert gespielt werden zu können. Unerfahrene Spieler sollten äußerste Vorsicht walten lassen, besonders wenn die Spielfelder eng beieinander liegen und Zuschauer nahe am Spielfeld verweilen. Bewußt ausgeführte Sui-zitversuche deprimierter SpielerInnen mittels dieser Technik mußten bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht registriert werden. Der eine oder andere Krankenwagen soll – wegen Zu-schauer-Deformierungen – schon gerufen worden sein.