Legen aus dem Stand

Um das Terrain (Spielfeld) gänzlich überschauen zu können, ist es zunächst sinnvoll, aus dem Stand zu spielen. Man kann so das Oberflächenprofil des Terrains aus der "Turmperspektive" einschätzen und die Entfernung zwischen dem Abwurfkreis (le rond) und der Zielposition der zu spielenden Kugel besser abschätzen. Der Aufschlagpunkt (la donnée) der Kugel spielt die wichtigste Rolle beim Legen. Er muß ebenso aus der Standperspektive betrachtet werden wie aus nächster Nähe. Beim Legen aus dem Stand bedenke man den sogenannten Plombée-Effekt bezüglich des Données, wobei die Kugel wie ein Senkblei von oben herabfällt. Ergibt die Betrachtung und die Analyse der Spielsituation, daß ein Wurf aus dem Stand sinnvoll ist, so beachte man folgende Faktoren:

Fußstellung

Die Füße sind relativ eng zusammen; der rechte Fuß steht leicht versetzt vor dem linken und zeigt in Richtung Sau.

 

Merke: Den Kreis voll ausnutzen!

Knie

Die Knie sind nur leicht gebeugt und nur so "weich", daß man "leicht federn" kann.

Oberkörper

Der Oberkörper ist ganz leicht nach vorn gebeugt, hat also keine übertriebene Fallhaltung (Beugung nach unten); er ist direkt auf die Sau bzw. auf den ausgesuchten Kugelweg ausgerichtet.

Arme/Hände

Der linke Arm (Nicht-Wurfarm) hängt locker herunter, allerdings mit fixierter Hand bzw. Faust nach hinten, was als Balance- und Spannungshilfe dient. Häufig trägt diese Hand auch die verbleibende/n Kugel/n, was das Gegenspannungsgefühl unterstreicht.

 

Der Wurfarm (mit der zu spielenden Kugel in der Hand) wird in einem 90-Grad-Winkel gebeugt, zeigt so nach vorn und wird vor dem Abwurf ein-, zweimal (in gedanklicher Vorwegnahme der folgenden Aktion) hin und her bewegt.

Gesamthaltung

Insgesamt ist die Körper- und Geisteshaltung bewußt locker und entspannt. Bei weiten Distanzen wird der gesamte Körper (die gesamte Standposition) um etwa 10 Grad nach rechts gedreht, da ein höherer Krafteinsatz (sprich: Armschwung) den Abwurf verändert.

Individuelle Faktoren

Körpergröße - Muskelkraft - Armschwungradius - Sehkraft - Distanzgefühl - Bewegungsgefühl - Kugelhaltung - Konzentrationsfähigkeit

Der Erfahrungswert des erfolgreichen Bewegungsablaufes harmonisiert das sichere Legen aus dem Stand. Einige der oben aufgeführten Faktoren sind objektivierbar, können also trainiert werden; hier einige Ratschläge für den Pointeur, die teilweise schon in den technisch-taktischen Bereich hineinreichen:

  •  Wer über 1.75 m groß ist, sollte bei Entfernungen von 6 - 7 m nicht aus dem Stand legen; wer unter 1.65 m groß ist, kann bei allen Entfernungen aus dem Stand legen.
  • Nicht steil mit einem spitzen Abwurfwinkel in den Boden legen, immer einen leichten Bogen versuchen.
  • Bei nassem Boden verliert die Kugel durch die saugende Reibung Energie, deshalb bei weiten Entfernungen etwas kräftiger legen.
  • Beim Abwurf sollte man nicht explosionsartig legen, sondern "mit angezogener Handbremse", es heißt ja auch "legen" und nicht "werfen". Oft wird unterschätzt, daß die Kugeln eine Eigendynamik besitzen und - gerade bei glatten Böden - weiter rollen, als man denkt. Die Energie, die beim Ablegen von den Muskeln an die Kugel übertragen wird, nimmt nur langsam während des Rollens ab. Trifft man auch noch eine harte oder leicht abfallende Stelle, gar ein Steinchen, potenziert sich die Energie und die Kugel läuft über ungeahnte Distanzen.
  • Anfangs sollte man ohne viel Konzentration legen; kommt der Wurf und stimmt die Länge, kann man den Wurf an sich beibehalten und ihn nur noch entsprechend verfeinern. Man hat dann noch Konzentrationsreserven, wenn man sie wirklich braucht.
  • Der Donnée (Aufschlagpunkt der zu legenden Kugel) sollte vor dem Wurf in aller Ruhe gesucht werden. Er liegt erfahrungsgemäß bei etwa zwei bis drei Fünftel (ca. der Hälfte) der Strecke Kreis - Sau.
  • Die rechte Fußspitze sollte auf die Sau zeigen. Dadurch verringert sich die Gefahr einer Körperverwirrung (Rotation).
  • Der Wurfkreis ist voll auszunutzen. Liegt ein Stein auf der geraden Strecke zur Sau, reicht ein kleiner Schritt nach rechts oder links, um eine optimale Ausgangsposition zu finden.
  • Verlegt man zweimal hintereinander, läßt man den Partner eine Kugel legen. Man versucht, sich neu zu konzentrieren oder sich vom Partner wieder etwas "aufbauen" zu lassen. Selbst beruhigt man sich, der Partner kann sein Vertrauen beweisen, ohne im engeren Sinne verantwortlich gemacht zu werden.
  • Bei starkem Sonnenschein sieht alles "glatter", ebener aus, als es tatsächlich der Fall ist. Zudem wird der Boden mit der Zeit der Sonneneinstrahlung immer härter. Zwei Gründe mehr also, verhaltener zu legen.
  • Beim Spiel unter Bäumen gibt es naturgemäß Schattenspiele der Blätter, Zweige und Äste. Die Distanzen werden scheinbar verschoben. Das Finden und Fixieren des Données wird deshalb noch wichtiger.
  • Je mehr Steine ect. im Weg liegen, um so mehr Hindernisse die Kugel also zu überwinden hat, um so höher und länger muß der Portée-Wurf sein. Der Donnée rückt immer näher an die Sau heran und diese Hindernisse werden "im Flug" überwunden.
  • Das Legen aus dem Stand wird auch gespielt, wenn die Sau mehrere Meter "gezogen" (dirigiert) werden soll; das Richtungslegen (Dirigée) ist also aus dem Stand sicherer.

Vor- und Nachteile der Spielposition "Legen aus dem Stand":

Vorteile Nachteile
stabil Gefahr des "Verspringens" der Kugel am Donnée
freierer Armschwung komplizierte Würfe hier kaum durchführbar
besseres Distanzgefühl bei weiten Entfernungen Kugeln haben keine Laufreibung
kontrollierte Portées (Bodenwürfe) möglich mehr äußere Ablenkungsfaktoren, da großes Sichtfeld
geringerer Krafteinsatz bei kleinen Distanzen sehr kurze Flugbahn der Kugel
Überschaubarkeit des Terrains