Legen aus der Hocke

Ausführung

Die Gesamtbewegung entspricht weitgehend den Bewegungsabläufen beim Legen aus dem Stand. Grundsätzlich ist aber darauf zu achten, daß man diese an sich unruhige Haltung stabilisiert. Dies geschieht durch eine den Körperschwerpunkt unterstützende Fußstellung und durch die Kraft der Oberschenkelmuskulatur (Balance). Zwar hockt man auf den Fußballen, dennoch kann man durch die Gegenbewegung des Nicht-Wurfarmes die Gesamthaltung sicher fixieren. Der Oberkörper darf dabei nicht zu weit nach vorn gebeugt sein, die Füße sind leicht nach rechts gedreht (entsprechend zeigt das rechte Knie in Richtung Sau), so daß der Wurfarm frei schwingen kann. Übrigens hilft es oft, daß der Wurfkreis vor dem jeweiligen Wurf so präpariert wird (nach dem Reglement erlaubt), daß weder kleine Steinchen noch Unebenheiten die stabile Haltung stören. Die gesamte Bewegung sollte fließend, unverkrampft und möglichst einfach sein.

So könnte das Ende einer Lege-Aktion "ideal-typisch" aussehen!

 

Analyse:

Ausgangspunkt: Rechtshänderin, die sich entschieden hat, aus der Hocke einen Portée zu legen.

  • Der rechte Fuß steht knapp/minimal vor dem Linken.
  • Rechtes Knie zeigt Richtung Sau.
  • Der Körperschwerpunkt  ruht auf dem rechten Bein und zeigt eine gerade Linie: vom Kopf ausgehend, über den Oberkörper, über das rechte Knie bis hinunter zum rechten Fußballen, auf dem die Spielerin "ruht".
  • Der Wurfarm ist gestreckt und die Hand zeigt noch den Zustand an, als die Kugel die Hand verlassen hat: locker aneinanderliegende Finger, bei leicht abstehendem Daumen.
  • Das rechte Schultergelenk geht in Lege-Richtung mit.
  • Das linke Schultergelenk, mit dem vermutlich gestreckten linken Arm, bildet einen Widerpart zum Zweck der Stabilisierung in Gegenrichtung.
  • Insgesamt macht diese Momentaufnahme einen äußerst stabilen Eindruck: es ist zu vermuten, daß die komplett ausgeführte Aushol-, Schwung- und Abwurfphase nicht ruckartig erfolgt ist, sondern konzertiert in einem einzigen, wohldosierten, ja fast "weichen" Akt.
  • Dennoch übersteigt die Kugel die "hockende" Spielerin locker hin zu einem gekonnten Portée-Wurf.

Merksatz: Eine Kugel hoch und/oder weit zu Legen, ist keine Frage der Kraft sondern des möglichst weiträumigen und gleichmaßigen Armschwungs!

 

Vorteile

Hauptvorteil ist die niedrige Abwurfhöhe der Kugel. Dadurch werden alle Würfe sicherer und kontrollierter. Das Finden des optimalen Données steht im Zentrum der Technik. Der Abwurf aus der Hocke bewirkt einen günstigen Aufschlagwinkel. Dadurch wird der Lauf der Kugel wesentlich berechenbarer. Die Schwierigkeit liegt im Zusammenspiel von Distanzwahrnehmung, Zielfixierung, Armschwungkraft und der entsprechenden Schwunglänge sowie der konzentrierten und gleichmäßigen Umsetzung.

Auch diese Pointeurtechnik kann bis zu einer Automatisierung optimiert werden, wodurch nicht mehr jeder einzelne Bewegungsteilabschnitt bewußt gesteuert werden muß.

 

Es ist also alles Erfahrungs- und Trainingssache!

Zusatzhinweise zum Legen aus der Hocke:

  • Wegen der komprimierten Körperhaltung muß jeder Spieler durch Training herausfinden, in welcher Höhe er seinen Armschwung zum optimalen Abwurf bringt. Zusätzliche Kraft wird vor allem bei weiten Distanzen benötigt.
  • Falsch ist es, wenn das Gesäß den Körperschwerpunkt zu sehr nach hinten unten zieht (Hackensitzen). Der Impuls muß aus den Oberschenkeln kommen; leichtes Federn verringert zwar den Krafteinsatz, kann allerdings auch störenden Einfluß auf den Gesamtbewegungsablauf haben.
  • Die Schultern müssen mit einer leichten Bewegung nach vorn den Abwurf einleiten.
  • Wenn die Schulter des Wurfarms beim Abwurf nach vorn geht, hockt man nur noch auf dem vorderen Teil der Fußballen (fest auf den Zehen).
  • Die Hocke verleitet zu Effet-Würfen besonders dann, wenn man "falsch ausgerichtet" hockt. Diese Position muß also leicht - etwa durch eine 10- bis 20-Grad-Drehung - korrigiert werden.
  • Der Donnée sollte beim Hockwurf auch aus der Perspektive von der Sau zum Kreis und nicht nur vom Kreis zur Sau hin festgelegt werden. Oft sieht die mögliche Laufbahn der Kugel aus dieser Perspektive ganz anders aus.
  • Wellen, Schrägen, Löcher, Neigungen nimmt man aus der Hockposition oft deutlicher wahr, insbesondere wenn die Lichtverhältnisse (Schattenspiele) schwanken.
  • Möglichst keine ruckartigen Bewegungen aus der Hocke ausführen. Sie würden die Gesamtbewegung stören und bei wechselnden Distanzen zunehmend unsolidere Würfe produzieren.