Geschichte der Kugelspiele

Weibliches Wort; Kugelspiel, das nach den gleichen Regeln wie „à la longue“ (auf lange Distanz) ausgeübt wird, nur die Spielentfernung beträgt 6 bis 10 Meter und die Füße dürfen den Anwurfkreis nicht verlassen.

 

Über die Entstehung wurde schon geschrieben, dennoch existieren noch andere Versionen. Die von M. Giacomone zum Beispiel, gestützt auf Erinnerungen des Michel de la Cadière, sei hier wiedergegeben:

 

Man hat Legende über Legende bezüglich des Ursprungs des Pétanque ersonnen, versehen mit vielen Stilblüten. Man hat oft über den berühmten Jules le Noir gesprochen, der mit seinen 140 Kilogramm notgedrungen sitzend spielen mußte und somit zu einer Fabelfigur wurde. Aber es war nicht in "La Ciotat", wo das Pétanque-Spiel entstanden ist. Es war exakt im Jahr 1900 in Bandol... Ich spielte zu dieser Zeit mit Pinot, der damals ein großer Spieler war, auf der gleichen Stufe wie Parpelet, Schießer, Leger und außerordentlicher Spielführer, und mit Andry. Nachdem wir in der 1. Runde, von Espanet geschlagen, rausflogen, blieb uns nur eine Einnahmequelle: die Suche nach Gegnern für eine Zockerpartie um 3 oder 5 Franc oder – was wir dann auch taten – um ein Essen für 25 Sous zu spielen. Die Sonne und einige Pernod taten ihr wohlbekanntes Werk. Wir alberten herum, lachten und spielten Clowns. Und es war Pinot, der zu mir sagte: „Hör mal, Michel, laß uns eine Partie auf 6 Meter spielen, ohne die Füße aus dem Kreis zu bewegen.

Weiterer Erklärungsversuch:

Das Spiel entstand im Jahre 1907 in La Ciotat, einem kleinen Städtchen an der Côte d'Azur. Ein sehr guter, schon etwas älterer Spieler des Jeu Provencal mußte zuschauen. Sein Rheuma plagte ihn, und er konnte weder den Ausfallschritt vollziehen noch konnte er die drei Schritte Anlauf zum Schuß nehmen, zu stark waren seine Schmerzen. Dennoch wollte er seinen Sport nicht aufgeben, und es kam ihm die Idee, die Wurfdistanz um einiges zu verkürzen und zudem ohne Anlauf im Stehen zu spielen. Man stand in einem Abwurfkreis und spielte auf eine Entfernung von 6 bis 10 m. Von der Abwurfposition – man mußte mit geschlossenen Füßen im Kreis stehen – leitete sich auch der Name des Spiels ab. Die Bezeichnung für "geschlossene Füße" heißt auf französisch "pieds tanqués", auf provencalisch hieß es "ped tanco". Diese beiden Wörter sind schon bald zu einem verschmolzen: Pétanque. Da das Spielfeld keinen strengen Regeln unterzogen wurde, eröffneten sich große Möglichkeiten, dieses Spiel auszuüben. Man war nicht mehr beschränkt auf ein genau eingeteiltes Spielfeld auf einem bestimmten Platz, sondern man spielte auf Plätzen vor Kirchen, in Parks und auf ungepflasterten Dorfstraßen. Im Jahre 1943 wurde der Boule-Verband, die Fédération Francaise de la Pétanque et du Jeu Provencal (F.F.P.J.P.) gegründet, der in der Zwischenzeit bereits über eine halbe Million eingeschriebene Mitglieder angehören.